Hessische Staatskanzlei

Sieben-Punkte-Plan zeigt Erfolge im Bahnhofsviertel

Ein Jahr nach dem Start des Sieben-Punkte-Plans der Landesregierung für ein sicheres und lebenswertes Frankfurter Bahnhofsviertel hat Ministerpräsident Boris Rhein eine positive Zwischenbilanz gezogen.

„Unser Sieben-Punkte-Plan ist ein großer Erfolg“, sagte Rhein in Wiesbaden. „Mit mehr Härte gegen Dealer und mehr Herz für Suchtkranke gelingt es uns deutlich besser, den geschlossenen Kreislauf aus Beschaffung, Konsum und Verelendung im Bahnhofsviertel zu durchbrechen. Wir haben geliefert – und wichtige Etappenziele für das Frankfurter Bahnhofsviertel erreicht. Der Erfolg bestätigt mich darin, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.“

Im März 2025 hatte Ministerpräsident Rhein einen Sieben-Punkte-Plan vorgelegt, mit dem das Land die Sicherheit im Frankfurter Bahnhofsviertel spürbar verbessern, Drogenkranken eine Perspektive aus der Abhängigkeit bieten und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates stärken will. Der Plan umfasst unter anderem mehr Polizeipräsenz auf der Straße, Dauer-Razzien gegen Dealer und den Einsatz KI-gestützter Videoüberwachung an Brennpunkten. Mit dem Plan will das Land zudem die Versorgung Drogenabhängiger vorantreiben, Hilfen für Wohnungslose ausbauen und Beratungs- und Behandlungsangebote aus dem Bahnhofsviertel heraus verlagern.

Mehr Kontrollen und neue Hilfsangebote zeigen Wirkung

Vor allem bei der Sicherheit im Bahnhofsviertel sind Erfolge klar sichtbar: Die höhere Kontrolldichte hat den Druck auf Straftäter im Bahnhofsviertel deutlich erhöht, was sich in einer verbesserten Aufklärungsarbeit niederschlägt. Durch den gezielten Einsatz von Videoüberwachungsanlagen konnte die Polizei außerdem deutlich mehr Täter identifizieren. Wenngleich die Hilfe für Abhängige und Wohnsitzlose langfristig angelegt ist, stellen sich auch hier erste Erfolge ein – etwa durch eine neue Ausgabestelle der Tafel sowie die intensivere Zusammenarbeit von Gesundheits-, Sicherheits- und Sozialbehörden vor der Entlassung einer Person aus einer psychiatrischen Einrichtung.

Mehr Polizeipräsenz und bessere Aufklärung

Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck sagte: „Durch die deutlich erhöhte Polizeipräsenz konnten seit Beginn der Maßnahmen fast 100 zusätzliche Kontrollen durchgeführt werden. Das schreckt Dealer und andere Kriminelle ab. Vor allem trägt es dazu bei, dass das Viertel für Drogendealer und Konsumenten so unattraktiv wie möglich wird. Die Polizei geht konsequent vor. Sie nutzt moderne Videoschutzanlagen und die durch das neue hessische Polizeirecht geschaffenen zusätzlichen Möglichkeiten, wie KI bei Videoüberwachung und die Durchsetzung von Aufenthaltsverboten. Erste Erfolge sind bereits sichtbar: Der Straßenraub ist im Bahnhofsviertel innerhalb eines Jahres um 73 Fälle auf 198 Fälle gesunken, die Aufklärungsquote ist von 33 auf knapp 42 Prozent gestiegen.  Ganze Straßenzüge konnten von der offenen Händlerszene befreit und mehr als 37 Kilogramm Marihuana sichergestellt werden – trotz veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen. Im Interesse der Sicherheit und zum Schutz der Gesundheit gilt es gemeinsam zu handeln, um die Spirale aus Konsum und Kriminalität zu durchbrechen. Dafür braucht es einen langen Atem. Die Polizei wird auch in Zukunft ihren Beitrag dazu leisten.“

Gesundheitsministerin Diana Stolz ergänzte: „Das Frankfurter Bahnhofsviertel steht wie kaum ein anderer Ort für die Herausforderungen im Umgang mit Sucht und sozialer Not. Unser Anspruch ist klar: Suchtkranke Menschen benötigen konsequent Hilfe, Beratung und medizinische Versorgung – niedrigschwellig und mit dem Ziel, die Sucht hinter sich zu lassen. Dazu gehört auch, neue Lösungen in der Suchthilfe zu suchen. Das unterstützen wir als Land Hessen. Gleichzeitig dürfen wir die Sorgen der Anwohnerinnen und Anwohner nicht aus dem Blick verlieren. Ein respektvolles Miteinander ist daher wichtig. Durch eine verbesserte Versorgung suchtkranker Menschen kann auch der öffentliche Raum entlastet werden. Denn es braucht beides: Menschlichkeit und Ordnung, um den sozialen Herausforderungen im Viertel gerecht zu werden.“

Unterstützung für Wohnungslose und Suchtkranke ausgebaut

Sozialministerin Heike Hofmann hob hervor: „Wir haben die Umsetzung gleich mehrerer Projekte im Frankfurter Bahnhofsviertel vorangetrieben, um eine Verbesserung für die hier lebenden Menschen zu erreichen. Dabei begegnen wir nicht nur den sichtbaren Symptomen, sondern setzen stark auf einen präventiven, langfristig angelegten Ansatz: Wir wollen Notlagen verhindern, ehe sie entstehen, und Menschen dabei helfen, den Kreislauf aus Wohnungslosigkeit und Suchterkrankungen zu durchbrechen – etwa mit der Förderung eines Housing-First-Projekts, das Menschen einen bedingungslosen Zugang zu Wohnraum ermöglicht. Als Landesregierung haben wir mit dem Sieben-Punkte-Plan binnen nur eines Jahres bereits eine Menge erreicht. Und ich bin mir sicher, dass es uns gelingen wird, die individuelle Situation vieler Menschen und damit die Lage im Bahnhofsviertel weiter zu optimieren.“

Justizminister Christian Heinz sagte: „Unsere Strafverfolgungsbehörden arbeiten viel enger zusammen, um konsequenter gegen die Kriminalität im Bahnhofsviertel vorzugehen und für mehr Sicherheit zu sorgen. Die Justiz leistet dafür einen wichtigen Beitrag. Der Bereitschaftsstaatsanwalt ist erster Ansprechpartner für den Bezirk und steht im kontinuierlichen Austausch mit der Polizei. Die Wege sind kürzer, wir werden dadurch noch schneller und konsequenter handeln. Aus der Erfahrung im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität wissen wir: Die enge Zusammenarbeit unserer Strafverfolgungsbehörden führt nachweislich zu bedeutenden Ermittlungserfolgen. Staatsanwaltschaft und Polizei arbeiten Hand in Hand und auch kontinuierlich daran, dass die Abläufe besser werden – gegen die Organisierte Kriminalität und für die Sicherheit im Frankfurter Bahnhofsviertel.“ 

Im Überblick

Zwischenbilanz zum Sieben-Punkte-Plan der Landesregierung für das Frankfurter Bahnhofsviertel:

Die Polizeipräsenz im Bahnhofsviertel ist auf einem Rekordhoch. Seit Vorstellung des Sieben-Punkte-Plans fanden mehr als 800 Kontrollen statt. Die Zahl der Ingewahrsamnahmen hat sich im selben Zeitraum von weniger als 400 auf rund 800 mehr als verdoppelt. Wenngleich die Kriminalität im Bahnhofsviertel immer noch zu hoch ist, zeigen sich im Kampf gegen die Straßenkriminalität wichtige Erfolge. Die Aufklärungsquote im Deliktsbereich Straßenraub ist um sechs Prozentpunkte gestiegen und liegt auf dem höchsten Wert seit mehr als 20 Jahren. Zeitgleich ist die Zahl der Taschendiebstähle von rund 800 auf weniger als 540 Fälle gesunken.

Seit kurzem kommt bei der Lagebeurteilung im Bahnhofsviertel ein neues Dashboard zum Einsatz, das Polizei und Ordnungsbehörden ein datenschutzkonformes, fortlaufend aktualisiertes Bild liefert. Dadurch können Einsätze zielgerichteter geplant und durchgeführt werden. Durch die schnellere Auswertung digitaler Datenträger und den Einsatz moderner Analysegeräte zur Wirkstoffprüfung in sichergestellten Betäubungsmitteln sind die Weichen gestellt, um juristische Verfahren zu beschleunigen.

Mit gemeinsamen Streifen von Landes- und Ordnungspolizei sowie perspektivisch einer neuen mobilen Wache will die Landesregierung das Sicherheitsempfinden der Menschen weiter verbessern.

Mit der Reform des Hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung Ende 2024 stellt Hessen wiederholte Aufenthaltsverstöße unter Strafe. Zwischen Dezember 2024 und Dezember 2025 haben die Strafverfolgungsbehörden im Bahnhofsviertel 182 Verfahren wegen Verstößen gegen Aufenthaltsverbote eingeleitet, von denen schon 149 abgeschlossen sind. Die neue Strafnorm geht einher mit einer systematischen Optimierung von Verfahrensabläufen bei Polizei und Staatsanwaltschaften. Ziel ist es, die Zeit vom Feststellen des Verstoßes bis zum Abschluss des Verfahrens noch weiter zu verkürzen.

Mit verstärkten Strukturermittlungen von Sicherheits-, Ordnungs- und Steuerbehörden und dem Gemeinsamen Finanzermittlungszentrum entzieht Hessen der organisierten Kriminalität zunehmend die Geschäftsgrundlage. Behördenübergreifende Kooperationen ermöglichen komplexe Ermittlungen und eine konsequente Vermögensabschöpfung. Allein zwischen November 2024 und September 2025 konnten die Behörden einen sechsstelligen Bargeldbetrag sicherstellen.
Ein Bereitschaftsstaatsanwalt als erster Ansprechpartner für das Bahnhofsviertel wird die Koordination der Strafverfolgungsbehörden vor Ort weiter verbessern.

Mit der Modernisierung des Polizeirechts hat Hessen als erstes Land die Grundlage für den Einsatz KI-gestützter Videoanalyse geschaffen. Im Bahnhofsviertel sind mehrere stationäre und mobile Videoschutzanlagen im Einsatz. Sie ermöglichen eine frühe Gefahrenerkennung, verbessern die Fahndung und tragen zur Befriedung von Brennpunkten bei. 2024 konnte die Polizei im Bahnhofsviertel knapp 700 Tatverdächtige identifizieren, 2025 waren es dank des Ausbaus der Videoschutzanlagen schon fast 800.

Über die Erfolge bei der Identitätsfeststellung von Straftätern hinaus kann die KI-gestützte Videoüberwachung in wichtigen Fällen zur Identifizierung vermisster Personen beitragen – so zum Beispiel im Oktober 2025, als ein Mädchen, das als vermisst gemeldet war, durch die KI identifiziert und von der Polizei in Obhut genommen werden konnte. In Zukunft soll künstliche Intelligenz dabei helfen, auch Waffen und gefährliche Gegenstände automatisch zu erkennen.

Die sich verschärfende Problemlage rund um den Crack-Konsum im Bahnhofsviertel war ein wesentlicher Anlass für die Erarbeitung des Sieben-Punkte-Plans. Der steigende Konsum von Crack hat in der Vergangenheit zu erheblichen gesundheitlichen, psychischen und sozialen Belastungen der Betroffenen geführt und den öffentlichen Raum stark in Anspruch genommen. Trotz notwendiger Sparmaßnahmen im Haushalt setzt die Landesregierung klare Prioritäten und hält die Fördermittel für die Suchtprävention in Höhe von einer Million Euro konstant.

Die Förderung für die „Offensive Sozialarbeit Sicherheit Intervention Prävention“ (OSSIP) der Stadt Frankfurt hat das Land um 100.000 Euro erhöht.

Mit der Reform des Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes im Dezember 2025 hat die Landesregierung die Rechtsgrundlage geschaffen, um Schwerstabhängige von der Straße zu holen und in Kliniken zu behandeln statt nur kurzzeitig vor Ort. Gleichzeitig wurde der Austausch zwischen den beteiligten Behörden bei der Hilfe, Unterbringung und Behandlung psychisch kranker Menschen verbessert.

Seit Inkrafttreten der Reform ermöglichen interdisziplinäre Fallkonferenzen und zusätzliche Möglichkeiten der Informationsweitergabe den rechtzeitigen Austausch zwischen Kliniken, sozialpsychiatrischen Diensten und Sicherheitsbehörden. Dadurch können Gefährdungslagen erkannt werden, bevor sie entstehen – ein entscheidender Fortschritt für den Schutz der Betroffenen selbst und der Gesellschaft.

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, durch nachhaltige Projekte einerseits Wohnungslosigkeit präventiv zu bekämpfen und andererseits Menschen von der Straße in ein stabiles Umfeld zurückzuführen. Das vom Land geförderte Housing-First-Projekt durchbricht den Kreislauf aus Wohnungslosigkeit und Suchterkrankung. Mit einem Schnittstellen-Projekt unterstützt das Land Menschen beim Übergang von stationären Einrichtungen in den eigenen Wohnraum.

In diesem Jahr will das Land eine landesweite Strategie zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit erarbeiten, mit der bestehende Projekte gebündelt und eine gezielte Betrachtung hochbelasteter Sozialräume wie das Bahnhofsviertel ermöglicht werden.

Die Landesregierung hat die Quartiersarbeit im Umfeld des Bahnhofsviertels seit der Vorstellung des Sieben-Punkte-Plans konsequent gestärkt. Ein neues Projekt der mobilen Quartiersarbeit schafft niedrigschwellige Begegnungsangebote für sozial isolierte Menschen und wertet das Viertel als Lebensraum auf. Zusätzlich fördert das Land eine neue Ausgabestelle der Tafel im Bahnhofsviertel, die akute Notlagen Betroffener lindert.